|
Dieser Beitrag geht auf einen Vortrag zurück,
den der Autor bei der Fachtagung „Charisma, Narzissmus, Dialog“ am
8. November 2001 in Neu-Anspach gehalten hat.
Wie lässt sich in der Selbstreflexion
der Jugendarbeit der Narzissmus als ein besonderes Beziehungsangebot
verstehen, das insgeheim auf eine Spiegelung des Selbst im Anderen
abzielt? Und: Nützt uns in der pädagogischen Praxis ein psychoanalytisches
Konzept, das in der jugendlichen Selbstbezogenheit einen – freilich
unbewussten – Appell an die Resonanz der Umwelt erkennt?
Ein aktuelles Beispiel
Es gibt eine gut frequentierte Website im Internet, die unter der Jugend
gegenwärtig heiß genutzt wird und die in der Originalversion „Hot
or not?“ heißt, im Deutschen „Bin ich sexy?“.
Es geht darum, das eigene Foto ins weltweite Netz zu stellen und von
unbekannten Mitspielern auf einer Skala beurteilen zu lassen. Das sog. „Attraktivitäts-Barometer“ reicht
von 1 bis 10. Es gibt, nach Geschlechtern und sozialen Gruppen wiederum
differenziert, zusätzlich „Best-of“–Tabellen, so etwas
wie Hitparaden der attraktivsten Fotos. Die Ratings der anonymen Betrachter
und Betrachterinnen – sowohl die eigenen als auch die der mitmachenden
Freundinnen und Freunde – bilden nun interessanten Gesprächsstoff
in der Clique. Die fotographische Selbstpräsentation zielt nämlich
auf eine Antwort gleich in doppelter Weise: Unmittelbar zielt sie auf
ein Echo des Mediums, mittelbar auf das der Peers, denen der geheime
Seitenblick mit der Frage gilt: Wie attraktiv bin ich wirklich?
Ist das nun Narzissmus, Narzissmus „pur“, wie wir vielleicht
abschätzig sagen würden? Oder handelt es sich hier um Interaktion,
um eine auf die Niederungen medialen feedbacks heruntergekommene virtuelle
Verfallsform einer Beziehung (wie eine konservative Kulturkritik angewidert
sagen würde)? Sagt uns das interaktive Medienspiel um das eigene
Bild vielleicht etwas anderes über den Narzissmus als das, was
wir gewohnt sind, wenn wir von der Selbstverliebtheit reden?
Selbst und Identität: ein Paradigmenwechsel
Jugendliche unterziehen sich in den seltensten Fällen einer Psychoanalyse,
sodass wir auf diese Weise auch wenig darüber erfahren würden,
was etwa Heiko R. aus Frankfurt/Main innerlich dazu bewogen hat, sich
auf der Love Parade zu präsentieren, oder weshalb Denise M. aus
Frankfurt/Oder sich zum „Pop-Star“ berufen fühlt und
am Casting des Senders teilnimmt, der dieses neue Format gleichen Namens
promoviert. Aber selbst wenn diese beiden fiktiven Vertreter der zeitgenössischen
Jugend sich dem analytischen Setting ausgesetzt hätten, wir wüssten
vielleicht dennoch nichts über ihre wahren Motive, die wir im
Unbewussten frühkindlicher Triebkonflikte und Objektbeziehungen
sowie in den dort abgelegten Strategien der Bewältigung vermuten
könnten. Dieser klassische Verdacht – der die psychoanalytische
Haltung lange dominiert und den Psychoanalytiker auf die Rolle der „weissen
Wand“ festgelegt hat, auf der sich die Projektionen des Patienten
abbilden – er führt im besten Fall zu einer Rekonstruktion
lebensgeschichtlicher Kontingenzen bei Heiko und Denise, die uns die
massenhafte Beteiligung der Jugend an der Love Parade oder anderen
Veranstaltungen des Zeitgeists nicht erklären würden.
Im zeitgenössischen Diskurs der Psychoanalyse werden freilich
alte Gewissheiten im Lichte eines erkenntnistheoretischen Paradigmenwechsels
in den Humanwissenschaften neu betrachtet. Ein Ergebnis ist das folgende:
Die Genese des Selbst, also die Entwicklung einer individuellen Persönlichkeit,
wird nicht als Folge von Triebschicksalen verstanden, sondern als Teil
eines komplex verschachtelten, auf vielfältige Weise rückgekoppelten
Interaktionsprozesses. Die traditionelle Vorstellung einer Prägung
des Menschen durch vor allem frühkindliche Erfahrungen – ich
vereinfache hier bewusst – folgt dagegen einem linearen kausalen Modell
der Persönlichkeitsentwicklung, das nach Ursachen sucht und sie
in der traumatischen Erfahrung, im Erziehungsstil der Eltern, im häuslichen
Milieu, in der Kindergartendressur und anderen sogenannten Sozialisationsfaktoren
sucht.
Selbstverständlich spielen solche Faktoren sowie die allgemeinen
kulturellen oder sozioökonomischen Bedingungen auch im neuen Identitätsparadigma
eine Rolle – aber nicht als Kausalfaktoren. Das werdende Subjekt ist
nicht Resultat von äußeren Bedingungen, Identität entsteht
nicht als Produkt, sondern in einem selbstreflexiven und vielfach gebrochenen
Prozess, für den die Außenwelt Reflexionsflächen zur
Verfügung stellt. (Es ensteht auch nicht als Entfaltung seines
genetischen Potenzials wie der Apfel aus dem Kern; das ist eine naive
Vorstellung, welcher der biogenetische Determinismus – wissenschaftstheoretisch
in grotesker Weise altbacken – immer noch frönt). Das Ich
bedarf der Spiegelung im Anderen, um zu erfahren, wer es ist. Der Erwerb
von Ich-Identität ist keine solitäre Veranstaltung des einsamen
Subjekts, sondern eine im sozialen Kontext hergestellte Eigenkonstruktion,
zu der auch Spiegelvorgänge gehören, welche die Übernahme
der Perspektive des Anderen voraussetzen. Die Konturen des Selbstbildes
enthalten auch das Bild, das andere von mir haben.
Das gilt, zumindest in den intersubjektivistischen Strömungen
der Psychoanalyse, auch für den psychoanalytischen Prozess selbst.
Hier wird nicht unter dem Tiefenblick des objektiven Analytikers eine
Lebensgeschichte rekonstruiert, also die „wirkliche“ Persönlichkeit
von den Verzerrungen durch unbewusste Konflikte, verdrängte Ereignisse
und abgewehrte Triebregungen befreit und auf diese Weise sukzessive
so etwas wie das „wahre Selbst“ enthüllt. Es wird
vielmehr gemeinsam ein individuelles Narrativ entwickelt, bei dem Entdeckung
und Erfindung nicht mehr zu unterscheiden sind und durch die angenommenen
oder verworfenen Deutungen etwas Neues entsteht. Dieses Neue, der „Homo
postanalyticus“, entwickelt sich in der therapeutischen Interaktion,
also aus einer Dualbeziehung – genau wie sich der „Homo
präanalyticus“, also der Mensch, bevor er eine Analyse aufsucht
(aber natürlich auch der, der sich niemals auf die Couch legen
wird), in der Interaktion mit seiner Umwelt entwickelt hat: durch Identifizierungen
und Gegenidentifizierungen, durch Nachahmungen, Abgrenzungen und Widerstände,
durch Selbstdeutungen im Spiegel der Anderen – als Subjekt seiner
Entwicklung eben und nicht als Objekt von Umständen, aber als Subjekt in intersubjektiv
bestimmten Kontexten..
Das klingt alles sehr kompliziert, und ich möchte das in eine
erste These fassen, die uns mitten ins Thema führt. Sie lautet:
These 1:
Identität bildet sich im Medium des
Sozialen als Niederschlag von Beziehungen. Als Resultat von Persönlichkeits-
und Gruppenbildung verdankt sich Identität einem reflexiven Prozess,
dessen Dynamik durch Spiegelung und Perspektivenübernahme vorangetrieben
wird.
Jaques Lacan hat in seinem berühmten Aufsatz über das Spiegelstadium
(1937) vom „Narzissmus als Bildner des Ich“ gesprochen.
Erinnert sei an das eingangs erwähnte Attraktivitätsspiel
im Internet. Der allzu offenkundige Narzissmus, der dieses Spiel unterhält
und den es wiederum animiert, er wird im Rahmen einer Beziehung mit
Spiegelfunktion befriedigt, wie immer wir diese Beziehung bewerten
wollen. Genau das ist mein Vorschlag, den ich im folgenden Kapitel
erläutern möchte: nämlich den Narzissmus nicht solipsistisch
als Selbsbespiegelung, sondern intersubjektiv zu verstehen: Der Spiegel
sind die anderen.
Eine intersubjektive Konzeption des Narzissmus
Ich behaupte: Als beziehungsloser Akt der
Selbstbespiegelung ist der jugendliche Narzissmus missverstanden, vielmehr
ist er geradezu ein besonderes Beziehungsangebot, das zur Identitätsbildung
beiträgt und das verstanden werden will. Dieses Angebot taucht
in vielen Varianten auf und kann lauten: Betrachte mich! Erkenne mich!
Entdecke mich! Bewundere mich! Liebe mich! Erkenne mich an! Schon an
dieser unvollständigen Aufzählung geheimer Aufforderungen
erkennt man, dass hier nicht etwa die Selbstliebe am Werk ist, welche
den anderen nicht braucht, sondern im Gegenteil: Der Narzissmus scheint
eben dadurch gekennzeichnet, dass er auf eine zweite Person, psychoanalytisch:
auf ein Objekt, angewiesen ist, das ihm in der Theorie doch gerade
versagt bleibt.
Die Psychoanalyse hat den Narzissmusbegriff bekanntlich aus dem strikten
Gegensatz zu dem der Objektliebe entwickelt. In ihrer Triebtheorie
hat sie die narzisstische Libido der Objektlibido gegenübergestellt,
in ihrer Entwicklungspsychologie den primärnarzisstischen Säugling
unter Schmerzen aus seiner ursprünglich selig-autistischen Welt
in die Welt der Objektbeziehungen erst wachsen lassen, in ihrer klinischen
Theorie den Narzissmus des Erwachsenen als pathologische Abwehrformation
gegen das Objekt behandelt, als infantile Fixierung oder als Regressionsphänomen.
Auch diejenigen Ansätze, die neben dem pathologischen einen „gesunden“ oder „normalen“ Narzissmus
annehmen, siedeln ihn in einem Sektor der Persönlichkeit an, der
vom Bereich der Objektbeziehungen deutlich geschieden ist (Kohut 1977).
Ich möchte mit dieser monadologischen Tradition der psychoanalytischen
Narzissmustheorie brechen, deren Grundlage das anthropologische Postulat
eines seelischen Ursprungszustand bildet, in dem der Mensch von der
Welt nichts wissen will: die Außenwelt als Feind. Der Narzissmus
ist mitnichten jene eigensinnige Haltung, mit der das Ich sich gegen
das Nicht-Ich, das Selbst gegen das Objekt, das Eigene gegen das Fremde
behauptet. Der Andere – in Form des antwortenden Gegenüber, des
interessierten Zuschauers, des anerkennenden Publikums – wird dringend
gebraucht, gebraucht in einer unbedingten Weise: als Resonanzboden
nämlich für ein Selbst, das sich in der Reaktion der Umwelt
erst gesehen, erkannt und geliebt fühlt, das sich intersubjektiv überhaupt
erst konstituiert.
Dieser elementare Mechanismus der Reflexion (der Spiegelung) hat seine
Ursprungsform im Gehaltenwerden, von dem das Neugeborene in seinem
primären Narzissmus nichts weiß. Er begleitet die Selbstwerdung
des Säuglings, wenn er im Gesicht der Mutter den ersten Spiegel
findet und in ihrem Lächeln (oder aber in ihrem abweisenden Blick)
eine erste Ahnung davon erhält, wer er ist. Er setzt sich fort
im Narzissmus des Kindes, das von seinen Eltern Aufmerksamkeit und
Bewunderung verlangt; er zeigt sich in den Wirren der Pubertät,
wo das Spiel von Sich-Zeigen und Sich-Verbergen vor allem am sich verändernden
Körperbild ausgetragen wird. In der Adoleszenz – diesem sogenannten „Moratorium“ zwischen
der Kindheit und dem Erwachsensein, diesem vom Zwang zur Reproduktion
noch freien Raum für die Entwicklung von Subjektivität -,
in der Adoleszenz ist die narzisstische Suche nach Echo und Spiegelung
ohnehin das entscheidende Medium der Identitätsfindung.
Bei der Eitelkeit oder der Kränkung, bei der tiefen Scham oder
der maßlosen Wut – um nur einige seelische Phänomene
zu nennen, die wir mit dem Narzissmus assoziieren – ist unser Selbst
im Innersten berührt. Aber es wird von einem Außen berührt
(selbst wenn es sich dabei um ein „internalisiertes Objekt“ handelt),
dem bewundernden, dem verletzenden, dem beschämende Blick des
Anderen nämlich, aus dessen Perspektive wir uns betrachtet sehen.
Und was vernichten wir wohl in der narzisstischen Wut, wenn nicht den
entwertenden Anderen? Gefühle der Demütigung und Missachtung
haben ebenso mit der umgebenden Welt zu tun wie solche der Großartigkeit
und ozeanischen Entgrenzung. Das Selbstwertgefühl verdankt sich
der Verinnerlichung des wertschätzenden Objekts; es ist die Erbschaft
einer Beziehung, deren intersubjektiven Stempel es trägt.
Die dynamische Szene, in der sich der Narzissmus darstellt, sie umfasst
Innen und Außen; ihr dramatischer Focus liegt in einem Zwischenraum,
der das Selbst mit dem Anderen verbindet. Im Narzissmus, so könnte
man den feinen Mechanismus der Bewegung beschreiben, betrachten wir
insgeheim den Anderen, wie er uns betrachtet und reagieren auf das,
was wir sehen, vermuten oder phantasieren. Wir werfen also einen Seitenblick
auf die Welt mit der stummen Frage: Wie werde ich gesehen? Werde ich
geschätzt und geliebt – oder zurückgewiesen und verlassen?
Werde ich so, wie ich bin oder sein möchte, auch anerkannt? Der
Narzissmus ist etwas Vermittelndes, ein Zwischen, welches das Selbst
und den Anderen auf eigentümliche Art und Weise verbindet. Das
wäre nun meine zweite These:
These 2:
Im Narzissmus erleben wir uns selbst im Medium unserer Umwelt. Die
Anderen sind der Spiegel, in dem wir unser Selbstbild reflexiv erwerben
und unser Selbstwertgefühl regulieren, ihnen gilt der unbewusste
Blick in der Erwartung von Echo oder Spiegelwirkung. Aber wir behaupten,
indem wir uns als einzigartig präsentieren, zugleich auch die Unabhängigkeit
von der Welt und schützen uns vor der schmerzhaften Erfahrung von
Abhängigkeit, der wir im Wunsch nach Anerkennung doch unbewusst
Tribut zollen.
Die Einwände liegen auf der Hand: Im sprachlichen Alltagsbewusstsein
ist der Narzissmus schließlich als Gegenbegriff zu dem verankert,
was in der Psychoanalyse Objektbeziehung heißt und mit Austausch,
Kontakt, Einfühlung, mit zwischenmenschlicher Begegnung zu tun
hat. Wo Selbstverliebtheit herrscht, wo das eigene Ich im Zentrum steht,
ist für die Verbindung zum Anderen wenig Raum. In der Bedeutung
von Eigenliebe, Selbstbezogenheit und Beziehungslosigkeit ist der Narzissmusbegriff,
aus der Psychoanalyse in die Umgangssprache längst eingemeindet,
von intersubjektiven Kontaminierungen weitgehend frei. Diese Polarisierung
folgt allerdings einem cartesianischen Dualismus, der schon in der
Dichotomie von Ich und Realität, Trieb und Gesellschaft, Innen
und Außen unerkannt weiterlebt – und sich auch im Gegensatz von
Narzissmus und Objekt verbirgt. Dieser Dualismus kennt kein Drittes,
kein Vermittelndes, kein Zwischen. Die intersubjektive Dimension des
Narzissmus erschließt sich erst jenseits des dualistischen Entweder-Oder,
in einem Zwischenraum, der uns mit der Welt verbindet (potential space,
Winnicott 1971).
Narzissmus oder Interaktion als konkurrierende Signaturen der Epoche
Schauen wir eine Generation zurück.
Die Karriere des aus der Psychoanalyse übernommenen Narzissmusbegriffs
war in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf ihrem Höhepunkt.
Epidemiologische Studien hatten für die westliche Zivilisation
eine auffällige Zunahme sog. früher Störungen registriert,
die als diffuse Ich-, Selbst- oder eben „narzisstische“ Störungen
den gut abgegrenzten Symptombildern der klassischen Psychoneurosen
mit reiferem „ödipalem“ Muster gegenübergestellt
werden. Die Psychoanalyse, damals in der Blüte ihrer gesellschaftlichen
Anerkennung, hatte gar eine neue Strömung hervorgebracht, die
– ursprünglich nicht viel mehr als eine Art erweiterter Narzissmustheorie – inzwischen
als Selbstpsychologie etabliert ist.
Aber nicht nur in Freuds klassischem Energiemodell musste sich die
Libido entscheiden, ob sie zum Ich oder zum Objekt fließen wollte;
sondern auch in Kohuts neuer Selbstpsychologie – die am Ende mit dem
Anspruch auftrat, die traditionelle Psychoanalyse zu ersetzen – war
der Narzissmus sektoral getrennt vom Bereich der Objektbeziehungen.
Im zeitdiagnostischen Diskurs hatte die narzisstische Persönlichkeit
die autoritäre als vorherrschenden Sozialcharakter abgelöst
und galt in der kritischen Pädagogik als „neuer Sozialisationstyp“ (Ziehe
1975). Eine „culture of narcissism“ (Lasch 1979) war erkannt
und als „protestantische Ethik von heute“ (Sennett 1974)
zur Signatur eines Zeitalters erklärt worden.
Eine Generation später taugt der Narzissmus als Metapher der
Vereinzelung und sozialen Desintegration womöglich nicht mehr
zur Beschreibung einer Gesellschaft, die unter den Imperativen der
Vernetzung steht und ihre Chancen zunehmend nach Kriterien des Zugangs
verteilt, wie Jeremy Rifkin in seiner neuesten Veröffentlichung
meint. Interaktion ist der Schlüsselbegriff des beginnenden 21.
Jahrhunderts, wie wir am Siegeszug der neuen Medien sehen. Im Zeitalter
des digitalen Kapitalismus, so könnte man meinen, hat das Modell
der narzisstischen Vereinzelung ausgedient, das die sozialwissenschaftlichen
Analysen einer in unverbundene Individuen zerfallenden Gesellschaft
begleitete. In einer Welt der universellen Vernetzung geht es um Verbindung
untereinander. On-line zu sein bedeutet schließlich ständige
Erreichbarkeit sowie Zugang zu Informationen und Menschen. Es scheint,
als ob die Beziehung zum Anderen, auch wenn sie virtueller Natur ist,
ein Revival erlebt. Die diskursive Hochkonjunktur des Narzissmus zumindest
ist vorbei.
Ein Blick auf die Formen postmoderner Identitätsbildung lehrt
uns etwas anderes: Die lebensweltlichen Kapriolen des zeitgenössischen
Alltags weisen darauf hin, dass der Andere dem Narzissmus keineswegs
egal ist – in der „Firma Ich und Co.“ gibt es Gesellschafter,
im Neo-Narzissmus des „Ego-Surfens“ surft ein imaginärer
Partner mit, der dem eigenen Selbst als Spiegel dient. Ich will das
zunächst an den offen pathologischen Formen des zeitgenössischen
Narzissmus demonstrieren.
Schon seit Freud, spätestens aber seit Foucault wissen wir, dass
sich in den Abweichungen von der Normalität deren innere Strukturen
am besten erkennen lassen. So wie die Psychopathologie uns über
die dynamische Funktionsweise des „normalen“ Unbewussten
aufklärt, erfahren wir an den marginalisierten Rändern der
Gesellschaft etwas über deren unbewusste Interaktionsdynamik.
Auch an den gegenwärtigen Erscheinungen des pathologischen Narzissmus
lässt sich ein reflexives Beziehungsmuster ablesen, das Aufschluss über
Zeittypisches gibt und mit aller Vorsicht zu verallgemeinern ist.
Wir wissen z.B. von der einschlägigen Sozialforschung (Heitmeyer,
Pfeiffer), dass der gewalttätigen Jugendkriminalität ein
paradoxes Anerkennungsproblem zugrunde liegt, welches sich schon in
der Tat selbst, erst recht aber in ihrer medialen Spiegelung zeigt:
Die Angst der Opfer und die öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen
diesen Tätern so etwas wie Anerkennung, selbst wenn die Rückmeldung
negativ ist: denn auch negative Anerkennung bedeutet Identität.
Auch die rechtsradikalen Jugendlichen, die ein Asylanten-Wohnheim "abfackeln" oder
Ausländer "abklatschen", profitieren vom Identitätsgewinn
durch ein beobachtendes Publikum. Ebenso wie randalierende Hooligans,
wenn sie einen Polizisten vor den Augen der Kameras zum Krüppel
prügeln oder sich mit den Anhängern des Gegners blutige Straßenschlachten
liefern; sie bringen inzwischen ihre eigenen Kameras mit für den
Fall, dass das Fernsehen nicht ausreichend präsent ist.
In den USA hatte ich im letzten Jahr Gelegenheit, eine Variante dieses
pathologischen Musters postmoderner Identitätsfindung zu studieren,
die sich am Beispiel eines neuen Verbrechenstypus zeigt, der in der
medialen Spiegelwirkung geradezu aufgeblüht ist. Es ist jene Art
von publikumswirksamen Tötungsdelikten, bei denen die klassischen
Motive kriminellen Verhaltens weitgehend überdeckt sind von der
alles beherrschenden Phantasie, öffentlich Beachtung zu finden
und Aufmerksamkeit zu erregen. Im Amerikanischen heißen sie "rampage
killing", übersetzt etwa: Killen im Rampenlicht, Morden auf
offener Bühne also.
Dieser neue Typus von Verbrechen ist ohne die Medialisierung einer
Gesellschaft gar nicht zu denken. Es ist geradezu das reflektierende
Licht der Öffentlichkeit, welches situativ gesucht wird. Wie beispielhaft
beim Columbine-Highschool-Massaker vor zwei Jahren werden diese Taten
i.d.R. am hellichten Tag und gelegentlich mit protzenden Ankündigungen,
immer unter der Anteilnahme von Zuschauern und möglichst bei laufenden
Kameras begangen und enden meist mit dem spektakulären shoot-outund der Festnahme oder dem Suizid am Schauplatz, entweder durch provoziertes
Polizeifeuer oder mit der eigenen Waffe. Es geht, so könnte man
die Sache verstehen, um die letzte Inszenierung einer öffentlichen
Anerkennung, die den Tätern zum ersten Mal so etwas wie Identität
verleiht: einmal mit einer spektakulären Tat im Fernsehen sein
und dann sterben, in einer anonymen Welt gesehen zu werden und damit
Bedeutung zu erhalten.
Wir kennen solche Inszenierungen aus dem amerikanischen Kino. Nehmen
sie etwa „Natural Born Killers“ von Oliver Stone, wo das
scheinbar wahllos mordende Gangsterpaar peinlich darauf achtet, in
den Medien präsentiert zu werden, und so bei der rebellischen
Jugend (im Film) Kultstatus gewinnen kann. In der letzten Szene dieses
Films lassen sie den Fernsehreporter, der sich bei ihrer live übertragenen
Flucht aus dem Gefängnis als Komplize angedient hat, um selbst
berühmt zu werden, die laufende Kamera auf dem Boden abstellen
und seine eigene Erschießung vor dem Fernsehpublikum dokumentieren.
Ende der vom Narzissmus selbst inszenierten Live-Sendung. (Weiteres
Beispiel: „Für 15 Minuten berühmt“, wo der eine
der beiden psychopathischen Gangster den sadistischen Killer markiert,
während der andere die Videoaufnahme für die Berühmtheit
macht). Auch die philippinischen Rebellen betrieben, mit Hilfe und
auf Kosten ihrer Entführungsopfer, das identitätsstiftende
Spiel. Ganz Kinder der Globalisierung und nicht nur im stolzen Gebrauch
ihrer Waffen, sondern auch im Umgang mit Mikrophon und Kamera geübt,
gewinnen sie erst im medialen Spiegel der weltweiten Aufmerksamkeit
ihre Identität als islamische Kämpfer für die Unabhängigkeit
des südphilippinischen Archipels.
Die neueste Variante dieser Form von narzisstischer
Identitätsbildung
erleben wir gegenwärtig bei den monströsen Selbstmordattentaten
des globalisierten Terrorismus. Wir müssen vermuten, dass nicht
nur religiöser Hass die islamistischen Kommandos beflügelte,
sondern auch eine grandiose narzisstische Phantasie, die sich hinter
der Fassade der heiligen Tat verbarg: Die todesmutige Vernichtung der
vermeintlichen Symbole des Bösen diente auch der Herstellung eigener
Größe. Vertraut mit der Bilderwelt des Westens schufen die
Attentäter ein bleibendes Bild der eigenen Mächtigkeit und
der Ohmacht des verletzten Gegners – mit uns allen als universellen
Augenzeugen. Noch an der gezielt demütigenden Wirkung dieses Akts
ist das Gefühl der eigenen Erniedrigung abzulesen, dessen publikumswirksamer
Abwehr er galt.. Hinter dem scheinbar apokalytischen Nihilismus, so
können wir vermuten, steht eine entgleiste Beziehung im Verhältnis
der Islamisten zur westlichen Zivilisation, die etwas mit fehlender
Anerkennung zu tun hat. Die terroristische Strategie der Gotteskrieger
folgte subjektiv einem Muster von narzisstischer Kränkung und
kompensatorischer Wut, das wir klinisch bei schweren Selbstpathologien
finden. Die begleitende Größenphantasie wird hier gleich
dreifach befriedigt: im grandiosen Akt der monströsen Tat selbst;
im Heldenstatus, den man im Echo der islamischen Welt antizipieren
konnte; und schließlich durch die direkte Ankunft im ersehnten
Himmelreich.
Wenn ich diesen unvollständigen Durchgang durch das Panoptikum
zeitgenössischer Selbstfindung zu einer These verdichten wollte,
könnte sie lauten:
These 3:
Die Medialisierung der Welt hat neue Strategien reflexiver Identitätsbildung
hervorgebracht. Das Selbst bedient sich der Medien als Spiegel, insbesondere
des Fernsehens als des Leitmediums der Epoche. Diese mediale Spiegelung übernimmt
zunehmend die Funktion intimer und persönlicher Muster der Identitätsstiftung,
die mit dem Funktionsverlust der Familie und dem Zerfall sozialer Ordnungen
verloren zu gehen drohen.
Das klingt wie eine kulturkonservative Klage. Aber es gibt kein Zurück
zu den verklärten Zeiten der Autonomie des Subjekts. Dessen verdeckte
intersubjektive Konstitutionsbedingungen, könnte man im Gegenteil
sagen, bringt der mediale Narzissmus allererst zum Vorschein. Mit dem
Verschwinden klassischer Sozialisationsagenturen ist der Spiegelmechanismus,
der den individuellen Bildungsprozess lebensgeschichtlich immer begleitet
hat, lediglich in die kommunikativen Netzwerke der Postmoderne eingewoben
– mit Folgen allerdings. Medialer
Narzissmus als zeitdiagnostisches Schlüsselphänomen.
Seit einigen Jahren können wir erleben,
wie die exklusiven Reservate der medialen Unterhaltungsbranche, die
früher den Reichen, den Schönen und den Prominenten vorbehalten
waren, sich den einfachen Schichten des Volkes und vor allem der Jugend öffnen.
Ihr privates Leben in aller Öffentlichkeit zu zeigen war einmal
ein Privileg des Adels, seiner historischen Nachkommenschaft in den
dekadenten Kreisen des Bürgertums oder eben der Protagonisten
des modernen Showbusiness. Sie mussten sich gefallen lassen, privat
ausgeforscht zu werden, und es hat ihnen ja auch gefallen, weil es
ihnen Bedeutung verliehen hat.
Nun strömen Jugendliche zwischen 16 und 60 massenhaft in die
Studios, drängen als Darsteller in Soap-Operas, Daily-Talk-Shows
und Reality-Soaps, deren Zielgruppe sie als Zuschauer zugleich sind.
Einmal selbst auf dem Bildschirm zu sein und gesehen zu werden ist
offenbar zu einer zeitgenössischen Sehnsucht geworden, die in
den Sendungen der Spaßkultur bedient wird. Eine Zahl dazu: Für
die zweite Staffel von Big Brother hatten sich nach dem grandiosen
Erfolg der ersten 70.000 Jugendliche beworben.
Die besorgte Befürchtung, es handele sich bei den Bewohnern des
'Big Brother'-Hauses bloß um Objekte eines ausufernden medialen
Voyeurismus – einige Autoren hatten den Verdacht des „Menschenzoos“ erhoben
und allen Ernstes vom „Kannibalismus“ des gefräßigen
Fernsehens gesprochen – diese von Sorge um die Opfer getragene
Befürchtung ist von den Insassen selbst entschieden zurückgewiesen
worden. Die Stunde Privatheit pro Tag, eine kleine Freiheit von Kamera
und Mikrophon, die man ihnen unter dem Druck von Öffentlichkeit
und Zensurbehörden zugestanden hatte, wollten sie gar nicht haben:
Was sie wären, könnten sie auch zeigen, schließlich
hätten sie nichts zu verbergen. Sie brauchten keinen Intimraum,
im Gegenteil, sie wollten sich – mehr oder weniger unverhohlen
– präsentieren.
Die angeblichen Opfer beanspruchten gar nicht jene private Sphäre,
in der sie selbst und ihre alltäglichen Verrichtungen vor dem öffentlichen
Blick geschützt wären. Sie nutzten vielmehr die Chance auf öffentliche
Aufmerksamkeit, die ihnen das Medium offerierte, und wenn es nur für
einige Tage oder Wochen war, in denen 'Big Brother' sie der Anonymität
des Alltags entriss. Immerhin bot die Reality-Soap mit ihren rockigen,
leitmotivisch eingestreuten Lebensweisheiten („Du bist nicht
allein!“ oder „Zeig dich, wie du bist!“) mehr als
die wenigen Minuten in den Talk-Shows, die seit den 90er Jahren auf
allen Kanälen am Nachmittag grassieren. Der Verachtungsdiskurs
im deutschen Feuilleton stürzte sich geradezu auf das mediale
Vergnügen am Intimen.
Die "Tyrannei der Intimität", wie Richard Sennettt
(Frankfurt/M. 1974) die Auflösung der öffentlichen Sphäre
und ihr Zerfließen mit der Privatsphäre einmal genannt hat,
empfindet das Publikum aber keineswegs als tyrannisch. Es delektiert
sich, in den Studios und an den Bildschirmen, an dieser Art von Selbstentblößung,
und wir dürfen annehmen, dass sich die meisten unter den Zuschauern
selbst gerne vor der Kamera sähen und sich bloß nicht trauen
oder noch nicht zum Zuge gekommen sind. Botho Strauss hat bekanntlich
in seinem skandalösen, aber genial intonierten 'Anschwellenden
Bocksgesang' (1993) den Vorschlag gemacht, den Teilnehmern von Talk-Shows
lebenslang ihr Recht auf Privatsphäre abzuerkennen, das sie gar
nicht mehr beanspruchen. Seine bekannte Abscheu gegenüber den
Medien hat freilich einen elitären Zug. Ihm selbst stehen nämlich
– wenn er sich doch einmal medial zu Wort meldet und das Zeitgeschehen
kommentiert – die Spalten von 'Spiegel' oder 'Zeit' jederzeit offen.
Das gilt aber nicht für jedermann und hat es in der Vorgeschichte
der modernen Medien überhaupt nicht gegeben, dass einfache Menschen
sich einem anderen Publikum als der Familie, dem Stammtisch oder dem
Sportverein vorstellen dürfen. Das interaktive Fernsehen hat dieses
Privileg auf eine gewisse Weise demokratisiert. Jeder kann, wenn er
will, die Chance zur identitätsstiftenden Medialisierung seiner
Person nutzen. Wenn dabei Triviales, Banales, Langweiliges oder Peinliches
herauskommt, so what! Man zeigt, was man kann oder hat, auch wenn die
Kamera es ist, die Regie führt. Der slowenische Philosoph, Lacan-Schüler
und Zeitgeist-Analytiker Slavoj Zizek (2000) hat einmal behauptet,
die Leute bräuchten "den Blick der Kamera als Beweis für
ihre Existenz", und sie hätten eher Angst davor, "nicht
die ganze Zeit von dieser Macht beobachtet zu werden".
Gewiss, Zizek neigt zu Übertreibungen. Aber was ist das für
ein Bedürfnis, das wir hier feststellen können und das insbesondere
die Jugend zum Ausdruck bringt – was ist sein subjektiver Kern?
Etwas weniger dramatisch als der slowenische Tausendsassa, der in sämtlichen
Diskurse der Postmoderne vagabundiert, lässt sich vermuten: Big
Brother ist eigentlich Big Mother.
These 4:
Die interaktiven Formate des Fernsehens und die neuen Medien kommen
einem weit verbreiteten und tiefsitzenden Bedürfnis nach öffentlicher
Spiegelung entgegen, in der sich das Private reflektieren kann. Dieses
inzwischen massenhaft ausgebildete Verhaltensmuster, das uns so narzisstisch
vorkommt, bringt lediglich die intersubjektive Kehrseite der Selbstbezogenheit
zum Vorschein.
In der medialen Inszenierung ist die Reflektion durch ein aufmerksames
Publikum der entscheidende Faktor. Und zwar nicht im Sinne der abstrakten
Quote, die ja auch eine Form der Rückmeldung liefert. Rückmeldung
heißt im Englischen bekanntlich „feedback“, hat also
etwas mit Fütterung zu tun: Gefüttert wird hier das Selbst.
Im reflexiven Mechanismus der Medien zeigt sich die Bindung postmoderner
Identität an eine Interaktionsform, die wir alle aus unserer Kindheit
kennen: sich zeigen und gesehen werden, auf sich aufmerksam machen
und beachtet werden, etwas Besonderes darstellen und dafür bewundert
werden. „Zlatko“ hat es vorher nicht gegeben, er ist im
Container erst geboren worden.
Ich bin kein Freund solcher Veranstaltungen des medialen Narzissmus,
wie sie Talkshows, Reality-Soaps und auch die neuerdings boomenden
Quizssendungen darstellen. Sie stoßen mich ab, und ich habe die
altmodische Auffassung, dass es eine Grenze zwischen privat und öffentlich
geben sollte. Das Fehlen solcher Grenzen ist für einen Psychotherapeuten
immer ein Hinweis auf mangelnde innere Strukturen, auf das Fehlen von
Gefühlen der Scham oder der Schuld – auf einen Über-Ich-Defekt,
würde man in meiner Branche sagen. Deshalb kann ich mich in die
normativen Bedenken der Kulturkritiker zwar einfühlen und bin
selbst von moralisierender Beurteilung nicht frei. Aber als Wissenschaftler
und mit der Distanz des psychoanalytischen Blicks gestatte ich mir
eine andere Sicht der Dinge, zumal es hier um eine andere Generation
geht..
Die Spiegelung in der Aufmerksamkeit des Anderen ist nämlich
keineswegs etwa eine besondere Begleiterscheinung der gegenwärtigen
gesellschaftlichen Epoche oder gar eine soziale Pathologie. Sie kündet
nicht von einer postmodernen Auflösung des Selbst, wie die klassische
linke Kulturkritik – im Einklang übrigens mit der konservativen
Gegen-Moderne -unheilschwanger tönt, wenn sie das Verschwinden
des Subjekts beklagt. Der grassierende Narzissmus ist ein lärmender
Appell des postmodernen Subjekts an die Anderen im Kampf um identitätsstiftende
Aufmerksamkeit: Videor, ergo sum – ich werde gesehen, also bin ich.
Das aber gehört zum Wesen der Conditio humana: Das eigene entsteht
im Spiegel der Anderen. Dieser Spiegel wirft aber nicht das zurück,
was auf ihn projiziert wird, er ist nicht der glatte Spiegel der Indifferenz,
sondern ein durch intersubjektive Anerkennung „gebrochener“ Spiegel.
Der Narzissmus, einst eine Domäne von Kindheit, Pubertät
und Adoleszenz, ist in einer Welt penetranter Medialisierung derart
sozialisiert, dass er seine Funktion verändert hat. Egal ob wir
das eine Infantilisierung der Gesellschaft oder eine Vergesellschaftung
der Kindheit nennen wollen – weit in die Welt der Erwachsenen vorgeschoben,
verkörpert der jugendliche Narzissmus nicht mehr die berühmte „zweite
Chance“ für Individuation, die von der Sozialisationstheorie
für die Zeit zwischen Kindheit und adulter Reife vorgesehen ist.
Für viele scheint er zu einer „ersten Chance“ geworden
zu sein, in der stillen oder lärmenden Hoffnung auf ein reflektierendes
Echo der Welt.
Deshalb ist der Narzissmus von Jugendlichen ein mehr oder weniger
verstecktes Beziehungsangebot, das wir erkennen, aufnehmen und beantworten
sollten.
Literatur:
Altmeyer, M. (2000): Narzissmus und Objekt. Ein intersubjektives Verständnis
der Selbstbezogenheit, Göttingen.
Balint, M. (1937): Frühe Entwicklungsstadien des Ichs. Primäre
Objektliebe, in: Die Urformen der Liebe und die Technik der Psychoanalyse,
Stuttgart 1969.
Bollas, Ch. (1987): Der Schatten des Objekts. Das ungedachte Bekannte:
Zur Psychoanalyse der frühen Kindheit, Stuttgart 1997.
Kohut, H. (1977): Die Heilung des Selbst, Frankfurt a.M. 1981 (6.Aufl.
1996).
Lacan, J. (1936): Das Spiegelstadium als Bildner des Ich, in: ders.,
Schriften I, Olten und Freiburg i.Br. 1973, S. 61-70.
Lasch, Ch. (1979): Das Zeitalter des Narzissmus, Hamburg 1995.
Sennett, R. (1974): Verfall und Ende des öffentlichen Lebens.
Die Tyrannei der Intimität, Frankfurt/M. 1986.
Winnicott, D. W. (1971): Vom Spiel zur Kreativität, Stuttgart
1995 (8. Aufl.).
Ziehe, Th. (1975): Pubertät und Narzissmus, Frankfurt a.M./ Köln.
Zizek, S. (2000): Die Kamera liebt dich, Süddeutsche Zeitung v.
28.3.2000.
|